, Präsidium (Scherer Martin)

Interview zum Neustart: Isabelle Ruf-Weber

Nach 5 Interviews mit männlichen Persönlichkeiten aus der Musikszene, freue ich mich umso mehr, heute mit den Antworten einer international anerkannten Expertin und Dozentin aufwarten zu können. Isabelle Ruf-Weber ist auch im Seeland immer wieder gerne gesehen. Nach ihrem Mitwirken in der Jury an den Seeländischen Musiktagen 2018 in Detligen hoffen wir alle, sie wiederum an den Seeländischen Musiktagen 2022 in Safnern begrüssen zu können.

 

Frage: Isabelle Ruf-Weber, wie stark warst du persönlich von der Pandemie betroffen und wie geht es dir heute?

Antwort: Natürlich bin ich sehr betroffen. Die letzten paar Aufführungen von FRAU LUNA im Stadttheater Sursee, wo ich die Produktionsleitung und die musikalische Gesamtverantwortung innehabe, mussten im März 2020 leider auch abgesagt werden. Viele Auslandengagements und Jurytätigkeiten fielen ins Wasser. Besonders tangiert wurde auch die Jurorenausbildung an der Bundesakademie Trossingen.

Mir geht es gut. Die freie Zeit wurde in das Realisieren meiner Homepage investiert (isarufweber). Ausgedehnte Fahrrad- und Wanderausflüge mit meinem Mann stehen und standen auf dem Programm. Die Arbeit im Stadttheater Sursee ging - auch wenn wir die geplanten Aufführungen vom SCHWARZEN HECHT verschieben mussten - dennoch weiter.

F: Neben deiner Dirigiertätigkeit bist du auch ein gefragtes Jury-Mitglied. Welche Ängste, Albträume oder Szenarien haben dir im vergangenen Jahr am meisten zugesetzt?

A: Nachdem ich mich an die Situation, nicht mehr reisen zu können, gewöhnt hatte, sah ich die freigewordene Zeit als Chance.

F: Welche Erkenntnisse und Erfahrungen wirst du mitnehmen?

A: Die Agenda muss sich wohl in Zukunft nicht mehr so prall füllen.

F: Wird die Pandemie einen Einfluss auf die Zukunft der Musikszene haben?

A: Dass Live-Musik eine grosse, magische Kraft hat, wird vielen bewusster sein.

F: Was hast du im letzten Jahr so richtig vermisst?

A: Die Interaktion mit den Musikerinnen und Musikern, die gemeinsamen Musikerlebnisse fehlten mir sehr. Miteinander Hühnerhaut-Momente zu kreieren und zu geniessen vermisste ich.

F: Wann glaubst du, wird die Blasmusikszene wieder zum Leben erweckt, bzw. können die Vereine wieder vollzählig proben?

A: Puuh, wenn ich das wüsste. Das müssen andere entscheiden. Ich hoffe, dass es bald soweit ist.

F: Welche Tipps hast du für Vereine, die sich nach dem Unterbruch wieder für ein Konzert oder sogar einen Wettbewerb - hoffentlich an den Seeländischen Musiktagen 2022 - vorbereiten wollen?

A: Mit einfachen, klangvollen Stücken wieder beginnen, spüren, was das Orchester braucht.

F: Mit welchen Problemen werden die Dirigentinnen und Dirigenten in musikalischer Hinsicht konfrontiert?

A: Konditionsprobleme… ich denke, ansonsten ist das wie Radfahren. Auch nach Jahren geht das problemlos wieder.

F: Welche Wünsche hast du für die Zukunft?

A: Diese Zeit mit dem Corona bedingten Verzicht auf alle meine musikalischen Engagements haben mir die Augen für eine andere Lebensgestaltung geöffnet und die Frage nach meiner zukünftigen beruflichen Ausrichtung aufgeworfen.

Ich wünsche mir darauf eine schlüssige Antwort und die Kraft und Motivation zu deren Umsetzung zu finden.

Isabelle, herzlichen Dank für das kurze Interview. Der SMV wünscht dir alles Gute.

 

Isabelle Ruf-Weber begann nach dem Erwerb des Primarlehrerpatents und einer anschliessenden dreijährigen Lehrtätigkeit 1985 mit der hauptberuflichen Ausbildung zur Blasorchester-Dirigentin an der Hochschule Luzern - Musik. 1989 schloss sie ihre Studien mit dem Erwerb des Dirigierdiploms mit Auszeichnung ab. Im gleichen Jahr erlangte sie auch das Lehrdiplom für Querflöte.  

Danach folgten ein Studienaufenthalt an der University of Michigan (USA) im Hauptfach Dirigieren, die Ausbildung zur Kapellmeisterin bei Sylvia Caduff in Luzern, der Besuch zahlreicher Meisterkurse im Ausland und ein einjähriger Nachdiplomkurs für Orchesterdirigieren an der Zürcher Hochschule der Künste bei Johannes Schlaefli.

Ihre künstlerische Tätigkeit ist geprägt von einer beachtlichen Vielseitigkeit und Offenheit, die in der Leitung verschiedenster Orchester zum Tragen kommen. Unter anderem dirigierte sie während 25 Jahren das Blasorchester FM Neuenkirch. Sie leitete das Orchester Sursee (2000-2003) und anschliessend den Orchesterverein Malters (2003-2007). Nach zwölf erfolgreichen Jahren endete im Herbst 2013 ihr Engagement als künstlerische Leiterin des Landesblasorchesters Baden-Württemberg. Ende 2017 schloss sie ihre 10jährige Tätigkeit als musikalische Leiterin des renommierten Blasorchesters Landwehr Fribourg ab.

Sie arbeitet mit diversen Jugendorchestern, unter anderem mit dem Nationalen Jugendblasorchester Schweiz und Südtirol.  

Zusätzlich zur künstlerischen Leitung am Stadttheater Sursee, die sie seit der Saison 2001/02 inne hat, amtiert sie seit 2007 als Produktionsleiterin der Eigenproduktionen.  

Im Weiteren wirkt Isabelle Ruf-Weber als Gastdirigentin und Musikpädagogin über die Landesgrenzen hinaus bei verschiedenen Orchesterprojekten mit. Sie engagiert sich in der Aus- und Weiterbildung von Dirigentinnen und Dirigenten sowie auch Jurorinnen und Juroren. In dieser Funktion unterrichtet sie seit Herbst 2006 als Gastdozentin an der Bundesakademie in Trossingen (D). Von 2009-2014 lehrte sie als Dozentin für Blasmusikdirektion an der Hochschule Luzern - Musik.  

An Dirigier- und Musikwettbewerben im In- und Ausland ist sie ein viel gefragtes Jurymitglied.  

Im Mai 2017 wurde sie für ihre Verdienste um die Schweizer Blasmusik mit dem Stephan Jaeggi  Preis ausgezeichnet.

 

Hier gehts zu den Interviews mit

- Ueli Schori
- Marco Aebersold
- Michael Bach
- Bruno Thomann
- Philippe Monnerat
- Pascal Schafer