, Präsidium (Scherer Martin)

Interview zum Neustart: heute mit Philippe Monnerat

Für das zweite Interview zum Thema "Neustart" durften wir Philippe Monnerat, dem Chef Ausbildungsunterstützung beim Kompetenzzentrum Militärmusik unsere Fragen zustellen.

 

Frage: Philippe Monnerat, wie stark warst du persönlich von der Pandemie betroffen und wie geht es dir heute?

Antwort: Zuerst herzlichen Dank an den SMV und dem Präsidenten Martin Scherer für die Möglichkeit ein kurzes Interview zu geben. Dies freut mich sehr.

Heute geht es mir sehr gut, Danke der Nachfrage. Leider habe ich diesen Virus im letzten Oktober aufgefangen und ich wurde sehr stark mit der Atmung eingeschränkt. Nun habe ich, nach doch längerer Zeit, aber keine Symptome mehr. Zum Glück

Meine musikalische Tätigkeit als Instrumentalist, konnte ich nur noch in meinem Musikkeller alleine ausüben. Dies geht wahrscheinlich den Meisten so. Die Motivation war auch bei mir nicht immer gut. Durch eigene Ziele und Auftritte mit meiner Tochter, habe ich doch etwas geübt. Wir haben Kurzkonzerte auf dem Balkon für unsere Nachbarn und Bekannte organisiert und per Video an die Verwandtschaft gesendet. Die Rückmeldungen waren sehr positiv und motivierend.

F: Du bist als Chef Ausbildungsunterstützung beim Kompetenzzentrum Militärmusik tätig und immer wieder als gefragtes Jury-Mitglied im Einsatz. Zudem warst du einige Jahre als Präsident der Musikkommission des BKMV im Amt. Welche Ängste, Albträume oder Szenarien haben dir im vergangenen Jahr am meisten zugesetzt?

A: Ängste über den Zustand der Musikvereine im Allgemeinen, haben mir schon seit längerem Sorgen bereitet. Sei es als C Ausb Ustü, ehemaliger Muko Präsi BKMV oder als Dirigent habe ich bereits mehrere Umfragen über verschiedene Themen durchgeführt. Bei vielen Umfragen kann man unter anderem das Alter der Teilnehmenden erfragen. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Altersstrukturen ungleichmässig sind und vor allem die mittleren Jahrgänge (30 - 45-Jährige) an Mitglieder fehlen. Ich habe ausgerechnet, dass in etwa 10 – 15 Jahren ein Drittel der Musikvereine mangels Mitglieder eingehen werden, wenn nicht deutlich mehr junge Musikerinnen und Musiker nachkommen. Nun habe ich Angst, dass durch die Pandemie dieser Prozess beschleunigt wird.

F: Welche Erkenntnisse und Erfahrungen wirst du mitnehmen?

A: Es gibt in Krisensituationen natürlich immer Chancen, auf welche wir aufbauen können. Viele Institutionen, Vereine oder Verbände haben diese Pandemie genutzt, um Ihre Strukturen zu hinterfragen und zu modernisieren. Viele hatten Zeit sich am Abend per Zoom, Skype oder Teams virtuell zu treffen und neue Projekte in Angriff zu nehmen. Klar wäre nach einer Sitzung ein gemeinsamer Umtrunk schöner, aber viele konnten trotzdem so die persönlichen Kontakte pflegen.

Im Kompetenzzentrum haben wir die Zeit genutzt, um Onlinetools für die Gehörbildung für die Fachprüfungen zu erarbeiten, die Lehrpläne für die Kaderausbildung zu sichten und unser Archive zu sortieren. Natürlich standen auch Wochenendeinsätze auf dem Plan, da unser Kader und Rekruten teilweise während längerer Zeit nicht nach Hause gehen durften.

F: Wird die Pandemie einen Einfluss auf die Zukunft der Militärmusik oder die der Jurymitglieder haben?

A: Das hoffe ich nicht! Jetzt schon eine Prognose zu stellen ist nicht angebracht.

F: Was hast du im letzten Jahr so richtig vermisst?

A: Die gesellschaftlichen Events mit und ohne Musik. Auch die Proben mit dem Orchester als Trompeter haben mir gefehlt. Mit dem Mediziner Orchester Bern, wollten wir zudem die Schöpfung von Haydn aufführen. Wir haben dafür extra Barocktrompeten gemietet, um möglichst in der Originalbesetzung zu spielen.

F: Welche Tipps hast du für unsere Musikantinnen und Musikanten, die nun längere Zeit ihr Instrument versorgt hatten und sich für die erste Probe vorbereiten wollen?

A: Ein Ziel vor Augen zu haben ist für die Motivation das Beste. Darum wäre die Möglichkeit für die Familie oder die Nachbarn ein kurzes Balkon-Konzert eine richtige Motivationsspritze und macht alle Zuhörer glücklich!! Vielleicht wäre es ein Verbands- oder Vereinsinterner Challenge, das originellste Video oder Projekt zu küren und zu belohnen. Somit könnte dies die Motivation der Mitglieder steigern, etwas Neues zu kreieren.

F: Wann glaubst du, wird die Blasmusikszene wieder zum Leben erweckt, bzw. können die Vereine wieder vollzählig proben oder an Wettbewerben teilnehmen?

A: Sobald es die Situation erlaubt! Hier wage ich keine Prognose. Auch für Wettbewerbe und deren Organisatoren müssen Planungssicherheiten gewährleistet sein. Ob und in welcher Art herkömmliche Wettbewerbe stattfinden werden, wird sich zeigen.

F: Welche Probleme erwartest du für die Vereine in musikalischer Hinsicht und insbesondere bei Teilnahmen an den nächsten Wettbewerben?

A: Ich bin überzeugt, dass es diesbezüglich keine Probleme geben wird. Die ersten Auftritte hingegen, werden bestimmt mit einer gewissen Nervosität einhergehen, da die letzten öffentlichen Auftritte schon länger nicht mehr stattfinden konnten.

F: Welche Wünsche hast du für die Zukunft?

A: Ich hoffe, dass wir alle gesund bleiben und möglichst bald wieder Live-Konzerte besuchen und selber bestreiten können.

Philippe, herzlichen Dank für das kurze Interview. Der SMV wünscht dir alles Gute.

 

Philippe Monnerat wurde 1967 in Basel geboren und machte seine ersten musikalischen Schritte in der Knabenmusik der Stadt Basel. 1986 studierte er am Konservatorium in Biel und anschliessend in Basel. Er belegte die Fächer Trompete bei Mario Populin und Eduard Tarr, sowie Dirigieren bei Felix Hauswirth und Dominique Roggen. Danach vertiefte er seine Studien in Paris bei Pierre Thibaud. 1996 war er Preisträger des Schweizerischen Dirigentenwettbewerbs in Baden.

Bereits während seinem Studium spielte er im Schweizer Jugendsinfonieorchester und im Schweizer Jugendblasorchester. Nachdem er dem Basler Sinfonieorchester assistiert hatte, machte Philippe Monnerat das Orchesterdiplom am Konservatorium Basel. Schliesslich fand er sich als Zuzüger im Basler Sinfonieorchester sowie als Musiker am Theater Basel wieder.

Seine militärische Karriere begann Philippe 1987 in Aarau als Trompetenrekrut und dauert bis heute an. Seit 1999 ist er beim Kompetenzzentrum Militärmusik als Chef Ausbildungsunterstützung tätig.

Als Dirigent leitete er von 2007-2013 die Swiss Army Brass Band und von 2013 - 2018 das Symphonische Blasorchester. Im Seeland dirigierte er die MG Suberg-Grossaffoltern und ist als ehemaliger Präsident der Musikkommission BKMV oder gefragtes Jury-Mitglied bekannt.

 

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